Seit 2. November ist Bernhard Reuter Landrat in Göttingen. Das ist Anlass für eine 100-Tage-Bilanz der Arbeit des Sozialdemokraten. Aufgeschlossen, umgänglich, aber auch vorsichtig und zurückhaltend - so beschreiben ihn Politiker aus dem Kreis, die mit dem 57-jährigen Juristen zu tun haben.
Ein Artikel aus der HNA vom 21. Februar 2012.
Eine Stärke des gebürtigen Kasselers ist, dass er aus den langjährigen Erfahrungen als Landrat in Osterode schöpfen kann. Vor seiner Wahl in Göttingen war er 13 Jahre Chef des Kreises im Südharz und darüberhinaus überregional bestens vernetzt. Reuter ist Präsident des Niedersächsischen Landkreistages und Vizepräsident des Deutschen Landkreistags.
„Mein Herz schlägt für die Kommunen.“
In Osterode, einem kleinen Kreis mit 77 000 Einwohnern, hatte Reuter großen Einfluss. Sein Wort galt. Im Kreis Göttingen mit dreimal so vielen Einwohnern ist das anders. Er hat es mit selbstbewussten Abgeordneten aus Stadt und Landkreis zu tun, die dem Landrat Paroli bieten.
So trat Reuter ins Fettnäpfchen, als er auf der Internetseite des Landkreises für Hannovers OB Stephan Weil als SPD-Landesvorsitzender warb.
Vorsichtig operierte Reuter bei der Krankenhausfusion in Hann. Münden. Als es um die Frage ging, ob sich der Landkreis an der finanziellen Absicherung der Liegenschaft des ehemaligen Vereinskrankenhauses beteiligt, rückversicherte sich der Landrat erst im Innenministerium. Das stieß bei Kreispolitikern seiner Partei aus Hann. Münden auf Unverständnis, da die Zeit zur Rettung des Krankenhauses drängte. Reuter verpasste die Chance, in Hann. Münden, wo er letztlich die Direktwahl gewann, zu punkten.
Vorsichtig verhält sich der SPD-Mann auch beim Thema Kreisfusion. In diesem Fall aber ist die Vorsicht begründet. Er will es sich nicht mit der Stadt Göttingen verscherzen, sondern versuchen, bei den schwierigen Verhandlungen um den internen Finanzausgleich einen tragfähigen Kompromiss zu erreichen.
Kreisfusion
Reuter ist sich bewusst, dass er ein finanzkräftiges Oberzentrum braucht, um eine Fusion mit den Nachbarkreisen Northeim und Osterode zu verwirklichen. Und: Der Landrat weiß durch seine Arbeit im kommunalen Spitzenverband, dass eine Kreisfusion in Südniedersachsen nicht mit der heißen Nadel gestrickt werden kann. Eine Blauplause dafür gibt es nicht. Im Haushalt 2012 konnte Reuter noch keine Akzente setzen, was aber damit zu tun hat, dass zum Zeitpunkt seiner Wahl der Entwurf seines Vorgängers Reinhard Schermann schon weitgehend stand. Investitionen in Bildung, das hat er sich auf die Fahnen geschrieben.
Was seine berufliche Zukunft angeht, tellte der Landrat auf Nachfrage dieser Zeitung klar: Es ehre ihn, im Falle eines SPD-Siegs bei der Landtagswahl als Minister im Kabinett Weil gehandelt zu werden. Allerdings sei sein Platz im Göttinger Kreishaus. Reuter: „Mein Herz schlägt für die Kommunen.“
Von Helmut Krischmann (Hessisch-Niedersächsische Allgemeine 21. Februar 2012)